Zur Psychologie des Islamischen Staates Vortrag und Diskussion mit Felix Riedel

Donnerstag, 17. März 2016, 19.30 Uhr,
Stiftung Geißstr.7, Geißstr.7, 70173 Stuttgart

Der Islamische Staat hat die Barbarei weder erfunden noch auf neue Gipfel getrieben – das Köpfen, die Massenerschießungen, die ethnische Säuberung, das sind altbekannte Gespenster der bürgerlichen Revolutionen, der faschistischen Regimes, der demokratischen Peripherien in Übersee, ohnehin der anderen islamischen Staaten. Auch die Sklaverei ist eine globale und insbesondere in der islamischen Welt bereits vorher häufige Erscheinung.
Das Neue an der Praxis des Islamischen Staates, und damit seiner Psychologie, lässt sich in der historischen, dialektischen Situation bestimmen, in der er gedeiht. Das Globale ist das Reformistische am Islamismus, Resultat der Lücke, die der Untergang des kommunistischen Projekts in den Millionenmorden der stalinistischen Diktaturen hinterließ. Die Demokratien des Westens vermögen eine solche Einheit, wie sie der tote Kommunismus und der Islam versprechen, nicht einzuholen, weil sie das individuelle Glücks- und Freiheitsversprechen der kapitalistischen Entrepreneurs und der globalen Besserverdienenden nicht in ein allgemeines verwandeln können. Die eigentliche Pathologie des Islamischen Staates heute ist mit der der bürgerlichen Demokratien vermittelt: Ihre Schwäche, die zum Zuschlagen reizt, ihre unfassbaren Widersprüche, die den Salafisten so vieles am Islamischen Staates logischer, klarer und einfacher erscheinen lassen. Eine komplementäre, dialektische Analyse der psychologischen Faktoren des Islamischen Staates erfordert die Reflexion auf vergleichbare Prozesse in den bürgerlichen Demokratien. Erst dann lässt sich über die Faszination am Abschneiden, am Voyerismus, am Ornament der schwarzbeflaggten Masse sprechen. Die sado-masochistische Kollaboration von Frauen an ihrer eigenen Zurichtung zu Objekten, die homoerotische Organisation der Männerbanden und ihre femininen Attribute verweisen auf die verdrängte Homosexualität als zentrale Triebkraft der Gewalt, auf Mutterhass und damit als Hass auf den Triebkonflikt selbst, auf den Wunsch nach narzisstischer Auflösung und Reinheit (Grunberger/Dessuant). Der islamische Staat selbst ist bereits eine Reduktion des Salafismus auf den Takfirismus, die Legitimation zum Mord an Andersdenkenden. Dieser extreme Dogmatismus ist ein alter Bekannter der Religionsgeschichte und kann mit Theodor Reik als Resultat des Zweifels, des ungeglaubten Glaubens (Adorno/Horkheimer), und letztlich als Effekt des andauernden, religiöse Stilblüten treibenden, Tod-Gottes-Problems erklärt werden.

Felix Riedel ist Ethnologe (Dr. phil.) und hat über moderne Hexenjagden promoviert. Er führt das Blog „Nichtidentisches“ und arbeitet zur Gewaltanthropologie insbesondere des Islamismus und des Antisemitismus. felixriedel.net

Eine Veranstaltung von Contain’t und Emanzipation und Frieden in Kooperation mit der Stiftung Geißstraße 7
contain‘t und Emanzipation und Frieden in Kooperation mit der Stiftung Geißstraße 7

Antisemitismus, Rassismus und Neonazismus in der DDR Zur notwendigen Selbstkritik des Antifaschismus

Donnerstag, 18. Februar 2016, 19.30 Uhr

Im Laboratorium
Wagenburgstraße 140,70186 Stuttgart
erreichbar mit den Bus-Linien 40, 42 und 56 (Haltestelle
Wagenburgstraße) oder mit der Stadtbahn-Linie 4 (Haltestelle Ostendplatz).

Vortrag und Diskussion mit Harry Waibel

Einst waren sie Staatsgeheimnis, bis heute werden sie verleugnet und verdrängt: Mittlerweile sind über 8000 neonazistische, rassistische und antisemitische Propaganda- und Gewalttaten in der DDR belegt. Seit 1990 gab es über 250 Tote und tausende Verletzte durch rechte Gewalttaten und die Täter kommen, gemessen an der Einwohnerzahl, im Verhältnis 3:1 aus dem Osten. Die antifaschistischen Kräfte vermochten bisher nicht, auf diese Entwicklung nennenswerten Einfluss zu nehmen. Höchste Zeit für Selbstkritik antifaschistischer Theorie und Praxis.

Harry Waibel ist Historiker und Diplom-Pädagoge. Veröffentlichungen u.a.: Diener vieler Herren. Ehemalige NS-Funktionäre in der SBZ/DDR, 2011 und Der gescheiterte Anti-Faschismus der SED. Rassismus in der DDR, 2014

Eine Veranstaltung von contain‘t und Emanzipation und Frieden

Autorenlesung mit Erich Später

Mittwoch, 18. November 2015, 19.30 Uhr

Im Laboratorium
Wagenburgstraße 140,70186 Stuttgart
erreichbar mit den Bus-Linien 40, 42 und 56 (Haltestelle
Wagenburgstraße) oder mit der Stadtbahn-Linie 4 (Haltestelle Ostendplatz).

Autorenlesung mit Erich Später

Der Dritte Weltkrieg – Die Ostfront 1941 bis 1945
siehe
http://www.conte-verlag.de/politik/sp-ter-der-dritte-weltkrieg
Anschließend Diskussion
Erich später schreibt u.a. für konkret und ist Geschäftsführer der
Heinrich-Böll-Stiftung Saarland

„Das Volk will Frieden!“ Zur Kritik der Mahnwachen-Bewegung Vortrag und Diskussion mit Laura-Luise Hammel

Donnerstag, 24. September, 19 Uhr, Stuttgart Contain’t-Gelände, Güterstr.10, Stuttgart-Bad Cannstatt

Anfang 2014 sorgte auf deutschen Marktplätzen und Online-Plattformen eine neue Soziale Bewegung für Aufsehen. Mit dem Leitthema der Forderung nach „Frieden“ befasste sie sich mit politischen und wirtschaftlichen Krisen, der Rolle der Medien aber auch mit allerlei esoterischen Themen. Kritiker werfen der Mahnwachen-Bewegung Verschwörungsmythologie, Antisemitismus und die Bildung einer neurechten Querfront vor.

Wie entstand die Bewegung? Wer sind ihre Protagonisten, was treibt die Anhänger an und was ist dran an den Vorwürfen?

Die Referentin hat Politikwissenschaft, Geschichte und Kulturanthropologie in Mainz studiert. In ihrer Magisterarbeit untersuchte sie das Sagbarkeitsfeld der Bewegung der Mahnwachen auf verschwörungsmythologische Muster und Anknüpfungspunkte zu bekannten antisemitischen und antiamerikanischen Ressentiments.

Eine Veranstaltung von contain‘t und Emanzipation und Frieden

»Der Despotismus der Freiheit«. Über revolutionäre Moral und das Glück des Einzelnen in Georg Büchners Dantons Tod. Vortrag und Diskussion mit Sebastian Tränkle

Über revolutionäre Moral und das Glück des Einzelnen in Georg Büchners „Dantons Tod“

Freitag, 10. Juli 2015, 19.30 Uhr, Stuttgart auf dem Contain‘t-Gelände, Güterstr. 10, 70372 Stuttgart-Bad Cannstatt

In Georg Büchners Dantons Tod (1835) wird ein zentrales Problem aller revolutionären Politik dramatisiert: Der Konflikt zwischen Moralprinzipien, die zur Legitimation ihrer Maßnahmen dienen und dem Glücksstreben der einzelnen Individuen. Büchners Drama – in der Sprache so unerhört modern, dass man bisweilen meinen möchte, es nehme Brecht vorweg – seziert in geradezu ideologiekritischer Manier die jakobinischen Moralvorstellungen und ihre blutigen Konsequenzen. Aus der historischen Rückschau lässt das zur terroristischen Endzeit der Französischen Revolution situierte Stück gar Fluchtlinien hin zum Großen Terror des Stalinismus erkennen. Vor dem Hintergrund der beiden historischen Erfahrungen wird die Fragwürdigkeit politischer Moral deutlich. Mit einem Seitenblick auf Oscar Wilde soll ihr schließlich eine materialistische Absage erteilt werden: Dort wo nur für »die Sache« gekämpft wird, statt für das eigene Glück, ist die Revolution schon an den Revolutionären gescheitert; oder: wo der Glücksanspruch des Einzelnen umstandslos der Durchsetzung allgemeiner Prinzipien geopfert wird, führt sich jeder Versuch zur Befreiung selbst ad absurdum.Von Sebastian Tränkle ist ein Aufsatz zum Thema erschienen: »Polizeisoldat des Himmels. Über revolutionäre Moral und die Negation des individuellen Glücksanspruchs«, in: Hendrik Wallat (Hg.), Gewalt und Moral. Eine Diskussion der Dialektik der Befreiung, Münster: Unrast 2014. Der Vortrag möchte mit dem Essay auch das Buch vorstellen.

Sebastian Tränkle ist u. a. als freierAutor tätig und lebt in Berlin.

Eine Veranstaltung von contain‘t und Emanzipation und Frieden